Wenn Männer mir die Welt erklären

Screenshot_20170312-110738Mit ihrer Essaysammlung hat Rebekka Solnit in diesem Jahr in Deutschland viel Aufsehen erregt – und das zurecht. Ihre Gedanken zum Thema Feminismus sind absolut lesenswert, Begriffe wie „Mansplaining“ sind den meisten mittlerweile ein Begriff.

Das Thema Feminismus hat mich schon immer gefesselt – und das nicht nur aus theoretischer Perspektive einer Literaturwissenschaftlerin. Dass der Feminismus jeden etwas angeht, ist mir das erste Mal bewusst geworden, als mein ehemaliger Lebenspartner wie selbstverständlich davon ausgegangen ist, dass ich mich später einmal um unsere Kinder kümmern werde.

Die Unterhaltung verlief in etwa wie folgt.

Er: „Ich will meine zukünftigen Kinder nicht von klein aus in die Kita schicken. Ich möchte einfach nicht, dass sich fremde Menschen um die Erziehung meiner Kinder kümmern.“

Ich: „Prima, dann kannst du ja zuhause bleiben, ich kann dann meinen Beruf sorgenfrei ausüben.“

So hatte er sich das selbstverständlich nicht gedacht. Und das war dann auch der Beginn meiner Beziehung zum Feminismus. Ich möchte den meisten Männern und (!) Frauen keineswegs Boshaftigkeit unterstellen, jedoch teilweise eine gewisse Gedankenlosigkeit. Deswegen ist es umso wichtiger über das Thema Feminismus zu sprechen. Und Rebecca Solnit hat definitiv einen großen Teil zum gesellschaftlichen Diskurs beigetragen.

 

 

Beginnt man erst einmal auf die Zeichen zu achten, sieht man sie überall. Eine Gleichstellung zwischen Mann und Frau ist bis heute nicht gänzlich erreicht. Bei diesem Thema muss ich immer an jene Bilder denken, die Donald Trump und seinen fast ausschließlich männlichen Stab dabei zeigen, wie sie über Abtreibung, also den weiblichen Körper, entscheiden. Doch auch Phänomene des Alltags tragen zu einem gewissen Ungleichgewicht bei. Wem wurde nicht schon einmal von einem Mann etwas erklärt, als sei er Experte auf dem besprochenen Gebiet (nur in den seltensten Fällen sind sie es wirklich)? „Mansplaining“ nennt Rebecca Solnit das. Sie macht damit auf Argumentationsstrategien und Machttechniken aufmerksam. Sprache ist Macht, sogar Gewalt – das wird hier wieder einmal deutlich.

 

„Er war schon dabei, mir von dem wichtigen Buch zu berichten – mit dieser selbstgefälligen Miene, die ich von schwadronierenden Männern so gut kenne, den Blick auf den fernen, unscharfen Horizont der eigenen Autorität gerichtet.“

Rebecca Solnit

 

Ich empfehle das Buch nicht nur denjenigen, die sich bereits vorher mit entsprechenden Themen auseinandergesetzt haben. Auch die Leser*innen, die sich vielleicht weniger intensiv mit dem Feminismus beschäftigt haben, können hier spannende Ansätze und Denkanstöße finden.

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